
Die Gotthardbahn

Vor einiger Zeit suchte ich in diversen Buchhandlungen ein Buch über die Gotthardbahn, das zugleich leicht verständlich und reich bebildert sein sollte. Aber ich konnte kein geeignetes Buch finden, denn entweder waren es Publikationen, die schon länger zurücklagen oder Bücher mit vielen historischen und technischen Details. So entstand die Idee, ein allgemein und leicht verständliches Buch mit zahlreichen Bildern und Fotos über die Geschichte der Bahnlinie von 1882 bis heute zu verfassen.
Es sollte auch zeigen, welche Auswirkungen der damalige Alpentunnel und die heutigen Basistunnel am Gotthard und am Ceneri auf die Bahninfrastruktur und auf die wirtschaftliche Entwicklung der entsprechenden Regionen hatten.
Mein Freund Fabrizio Viscontini aus Faido, den ich anfragte, erklärte sich begeistert bereit, den historischen Teil zu verfassen. Ich wollte mich auf die anderen Kapitel konzentrieren, vor allem auf diejenigen über die AlpTransit. Sergio und Fabrizio Michels schlug ich vor, das Bildmaterial zusammenzustellen, ein grafisches Konzept zu entwickeln, das Layout und den Druck des Bandes zu verantworten.
Eine wichtige Rolle spielten dabei Birgit Eger Bertulessi für die ausgezeichnete Übersetzung ins Deutsche, Ingenieur Luca Bassani für seinen Beitrag über die Verbindung mit Italien, Renzo Ghiggia für seine präzisen technischen Texte, Professor Joseph Jung für seine wertvollen Informationen zu Alfred Escher und Louis Favre sowie Remigio Ratti für seinen Blick in die Zukunft der Gotthardbahn.
Der erste Tunnel durch das Gotthardmassiv war tatsächlich ein europäisches Projekt, das von der Schweiz, Deutschland und Italien geplant und finanziert wurde. Genau aus diesem Grund wollte Otto von Bismarck die direkte Verkehrsverbindung nach Italien ausbauen. Deshalb gab er den Ausschlag zugunsten der Gotthardroute anstelle des Lukmaniers.
Der Kanton Tessin hat von dieser Bahninfrastruktur stark profitiert, denn als einziger Kanton, der durch die Alpen von der restlichen Schweiz abgeschnitten ist, konnte er sich dank dieser Bahnverbindung zu anderen Schweizer Städten aus der Isolation befreien. Die Bahn ermöglichte der Tessiner Bevölkerung neue und interessante Arbeitsmöglichkeiten und fungierte somit als Antriebsmotor für zahlreiche Investitionen im touristischen sowie im Industrie- und Handelssektor.
Europa wird dank den vollständig durch den Bund finanzierten Gotthard- und Ceneri-Basistunneln eine Nord-Süd-Hauptverkehrsachse auf Schweizer Boden und mit durchgehender Flachbahn geboten. Der Tunnel durch den Gotthard mit seinen 57 Kilometern Länge ist nicht nur der längste Eisenbahntunnel der Welt, sondern auch ein Meisterwerk der Planung und Ingenieurskunst.
Adriano Cavadini
Dr. oec., alt Nationalrat